Sonnenuntergänge für Königskinder auf Folegandros

Die Kykladeninsel ist das Gegenteil des benachbarten Santorin. Wer hierherkommt. sucht vor allem Ruhe.

Helge Soblk

Es sind Hunderte. Sie stehen in Zweier-Vierer- und seltener auch in Sechsergrüppchen herum, auf winzigen Terrassen vor den hölzernen Eingangstüren, unter Pfefferbäumchen auf den Plätzen
im Ortszentrum: Sie sind hellgrün, hellblau, und fast jeder wackelt auf dem alten Pflaster des Städtchens Chora: die Stühlchen der Tavernen, Cafés, Bars auf der Insel Folegandros.

Wer ausserhalb der sommerlichen Hochsaison auf der kleinen Kykladeninsel weilt, kann sich nicht vorstellen, dass die Stuhle alle gleichzeitig besetzt sein könnten. Eigentlich ist Folegandros still, viel ruhiger als die 45 Fährminuten entfernte dreimal so grosse Insel Santorin. Die Anreise gestaltet sich aufwendiger, weil Folegandros keinen Flughafen hat. Auch das Publikum ist anders. Statt Chinesen oder Amerikaner auf Europatour oder flüchtigen Weekendgästen kommen Ruhesuchende, die gern zwei Wochen hier bleiben.

Folegandros sieht nicht so herausgeputzt und zurechtrenoviert aus wie Santorin. Es ist mehr Platz für den Alltag geblieben, für kleine Krämerläden und die Altstadtbäckerei. Mehr Zeit, zu plau­dern oder den einheimischen Kindern zuzuschauen, die in den Gassen Geburtstag freiern.

Um die Stühlchen gibt es keinen Wettstreit. Sie sind reichlich vorhanden –
jeden  Morgen zum Frühstück, wenn Joghurt, frisch gepresster Fruchtsaft und Obst aufgetragen werder, dazu Weissbrot und Ziegenkäse von der Insel. Später zum Mittagessen unter freiem Himmel, wenn es nach Fleisch und Kräutern riecht. Und dann Abends, wenn auf den Grills der Tavernen der frisch gefangene Fisch des brutzelt.

Wer hier den schönsten Sonnenuntergang erleben will, erklimmt in der Stunde davor den Serpentinenweg zur Panagia-Kirche hoch über Chora, hockt sich auf die Umfassungsmauer – und wartet, bis sich der Himmel verfärbt und der Feuerball Richtung Ägäis sinkt.

Auf Folegandros begeht man, anders als an den griechischen Massenzielen, den Sonnenuntergang als Ereignis. Unerkannt sind im Sommer regelmässig zwei Herren auf dem Plateau der Kirche dabei. sie scheinen das Spektakel am Horizont besonders zu geniessen. Für sie gibt es wohl kein intensiveres Heimatgefühl als bei diesem Ausblick über quaderförmige Häuschen Weiss, Kirchenkuppeln und Klippen. Es sind die Söhne  des letzten Königs von Griechenland, die Prinzen Paul und Nikolaos. Die Brüder verbringen die Ferien mit ihren Familien gern auf Folegandros.

Ein farbenfroher Felsen

Danai Pateli zieht jedes Frühjahr aus Athen an den Ortsrand von Chora und fährt erst im Oktober zurück. Im Winter sind alle Hotels geschlossen, nur 450 überzeugte Allwetter-Insulaner bleiben auf dem 12,5 Kilometer langen und we­niger als vier Kilometer breiten Eiland. Danai würde ihren Saisonjob gegen keine Stelle der Welt eintauschen, allein wegen der Stimmung. Wann es auf Folegandros am schönsten ist? «Jeden Morgen, wenn die Sonne gerade aufgeht», sagt sie, «und ich mit meinem Setter-Rüden joggen gehe.» Die Teilzeiteinwohnerin ist unterwegs, bevor die meisten Touristen aufstehen. Sie verteilen sich auf ein paar Hotels am Rand von Chora, auf einfache Quartiere im historischen Zentrum und auf wenige Neubauten ausserhalb und unten am Hafen im dreieinhalb Kilometer entfernten Örtchen Karavostasis.

«Auf dieser Insel», sagt Danai Pateli, «muss man mögen, was man sieht. Denn mehr gibt es nicht.» Die Insel ist ein Felsen im Meer. Einer mit aufeinandergestapelten Hausern an der Steilküste. Das ist alles. Nicht ganz: die Farben! Folegandros ist je nach Jahreszeit hellgrün oder rotbraun, Chrora ist weiss – und alles drumherum und drüber im Sommer blau. Die Stühlchen gibt es übrigens auch in Rot, Gelb, Braun und Weiss.

Anreise: Von Zürich mit Edelweiss nonstop nach Santorin. Weiter per Katamaran-Fähre nach Folegandros, www.seajets.gr Allg. .Informationem www.discovergreece.com

 

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